Entlang der U(e)cker
von Moritz Spannenkrebs
am 10.07.2021
Start
Eichhorst
đŸ‡©đŸ‡Ș Deutschland
Ziel
Pasewalk
đŸ‡©đŸ‡Ș Deutschland
Strecke
108,53
km

Die Ausfahrt aus Berlin zog sich durch einen Vorort nach dem anderen und wir mussten lernen, dass es rund um die Hauptstadt wohl viele Kleingarten-Enthusiasten gibt. Mit etwa 30 km auf dem Tacho waren wir dem stĂ€ndigen Wechsel aus Plattenbau, Kleingarten und Villensiedlungen endlich entkommen. Mit einem dementsprechend guten GefĂŒhl im Bauch ging es wieder durch schöne WĂ€lder und entlang einiger kleiner Seen. FĂŒr die Nacht war Regen oder gar ein grĂ¶ĂŸeres Gewitter angesagt, also suchten wir einen entsprechend sicheren Zeltplatz. Aus SĂŒddeutschland kamen schon die ersten Hochwassermeldungen, also wollten wir kein Risiko eingehen. Da wir nicht allzu viel Wasser bei uns hatten, stand zusĂ€tzlich noch ein sauberes GewĂ€sser auf unserer Wunschliste. Beides wurde in Form einer ĂŒberdachten Sitzgruppe erfĂŒllt, die am Rande eines Kanals mit glasklarem Wasser floss. Die Überdachung schien vertrauenswĂŒrdig und so beschlossen wir, dem Zelt einen weiteren Tag Pause zu gönnen und direkt auf den Tischen und BĂ€nken zu schlafen.

Traumschlafplatz

Da Jareds Isomatte nicht fĂŒr gewöhnliche Sitzbankbreiten konzipiert ist, mussten wir ihn auf den Tisch in der Mitte platzieren und somit leider unsere gewohnte Schlafformation aufbrechen.

Nachdem wir uns hÀuslich eingerichtet und eine Erfrischung im Fluss genossen hatten, schliefen wir sicher und trocken, wÀhrend der Regen auf unser HÀuschen tröpfelte. Lediglich Vincents Schlafsack wurde etwas klamm, was seinem erholsamen Nachtschlaf aber keinen Abbruch tat.

Traumschlafplatz mit unserer Einrichtung bei Nacht

Am Morgen wurden wir zu unserem Erstaunen von ĂŒberraschend großen Booten (oder Yachten?) geweckt, welche den Kanal entlang schipperten. Als wir einen Schwimmer durch den Kanal pflĂŒgen sahen, mussten wir es ihm natĂŒrlich gleich tun, immer in der Hoffnung nicht von einem Boot ĂŒberfahren (oder ĂŒberschwommen?) zu werden.

Mit kleinen AbschiedstrĂ€nen ging es auf dem hervorragend asphaltierten und ausgeschilderten Berlin-Usedom-Radweg weiter in die Uckermark. Uns wurde relativ schnell klar, dass es hier vor allem drei Dinge gab: Große Felder, noch grĂ¶ĂŸere Felder und riesige WindrĂ€der. Von letzteren fasziniert stellten wir die unterschiedlichsten Mutmaßungen ĂŒber die Nabenhöhen der Kraftwerke an... Mit bis zu 167 Metern sind die WindrĂ€der dort tatsĂ€chlich fast doppelt so hoch wie wir geschĂ€tzt hatten!

Am Nachmittag machten wir eine Trinkpause in Steinhöfel, wo eine Ă€ltere Frau auf der Terrasse hinter ihrem Haus Radfahrer auf der Durchreise bewirtet. Neben einer breiten Auswahl gekĂŒhlter GetrĂ€nke, gab es auch jede Menge Eis, ein paar Snacks und fĂŒr uns die Möglichkeit, unseren Wassersack aufzufĂŒllen. Neben ihr und ihrem Hund Blackie, lernten wir dabei noch einen Mann und seine Tochter kennen, die ebenfalls auf dem Rad unterwegs waren. Die beiden hatten gewagt, die AutoritĂ€t des ausgeschilderten Radwegs zu untergraben und waren prompt mit kilometerlangen Sandwegen bestraft worden.

Hier werden im Hinterhof GetrÀnke an Radfahrer verkauft

Nachdem wir noch in der schönen Stadt Prenzlau einkaufen waren, ging es mit bereits 80 Kilometern auf dem Tacho auf Zeltplatzsuche. In der DĂ€mmerung waren wir begeistert von den vielen Rehen, die sich jetzt aus dem Wald wagten. Auf jedem Feld stand mindestens ein Tier, das uns erst in Schockstarre anblickte, um schließlich in weiten SĂ€tzen davonzuspringen. Wir radelten zwischen den von Rehen besetzten Feldern durch und suchten die AgrarwĂŒste nach einem Fleck Erde ab, auf dem unser Zelt halbwegs gut stehen wĂŒrde. Leider stellte sich heraus, dass all die nicht bewirtschafteten Wiesen am Rande der kleinen BĂ€che deshalb frei waren, weil sie höchstens zum Reisanbau getaugt hĂ€tten. Dementsprechend blieb uns immer nur die Wahl zwischen offenen FlĂ€chen ohne Sichtschutz und halbwegs versteckten Sumpfgebieten. Wir gingen also immer wieder auf Erkundung, um dann mit nassen Schuhsohlen und enttĂ€uscht wieder aufs Rad zu sitzen. So waren wir bald ĂŒber die 100 Kilometer drĂŒber geradelt. MĂŒde und erschöpft hĂ€tten wir das Zelt beinahe schon mitten in einer Ortschaft an einem kleinen Weiher, oder etwas weiter im zugehörigen Spielplatz aufgebaut.

Zum GlĂŒck kamen wir noch zur Besinnung und fanden ein Wander-Highlight auf komoot, welches wir nun ansteuern konnten. Nun musste nur noch eine Schranke ĂŒberwunden, einige kleine Anstiege auf dem Wanderweg hochgeschoben und letztlich in totaler Dunkelheit im Wald ein Platz mit BĂ€nken gefunden werden. Letztlich war es fast 12 Uhr und wir hatten 108 Kilometer zurĂŒckgelegt. WĂ€hrend ich mich direkt ins Zelt legte und sofort einschlief, holte Jared gerade die Reste vom Mittagessen raus um den Abend noch gemĂŒtlich ausklingen zu lassen.

Wander-Highlight / Zeltplatz

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