#Roma
von Vincent Kliem
am 01.06.2021
in
Rom
­čç«­čç╣ Italien

In Rom gibt es am Rande des Vatikans einen kleinen Friedhof den Campo Santo Teutonico. Um Eintreten zu d├╝rfen, muss man beim wachenden Schweizer Gardisten in deutscher Sprache den Zugang begehren.

Am morgen merkten wir aber schnell, dass die eigentliche deutsche Exklave auf r├Âmischem Stadtgebiet Roma Camping in Town hei├čt. Sp├Ątestens als ein ÔÇ×Bonn dschorno, spreeechen Siiiie deeutsch!?ÔÇť ├╝ber den Campingplatz schallte, ahnten wir, wo wir hier gelandet waren.

Nach Wochen ohne Tourismus im S├╝den Italiens - wir sahen insgesamt bisher vielleicht zehn Autos mit deutschen Nummerschildern - war das noch etwas ungewohnt: Handt├╝cher auf den Poolliegen, M├╝lltrennung, fragw├╝rdige Schuhwerk-Socken-Entscheidungen und nat├╝rlich die deutscheste aller deutschen Tugenden im Ausland: Das kritische Be├Ąugen der anderen deutschen Urlauber, dem wir uns offensichtlich auch nicht entziehen konnten.

Wir kamen gestern sp├Ątabends am Campingplatz an und waren nicht mehr wirklich in der Lage zu kochen, also beschlossen wir Pizza zu essen. Da die Pizzaria auf dem Campingplatz schon sehr bald schloss, fuhr ich zur n├Ąchstgelegenen Pizzeria um Pizza zu holen. Ich fand eine wundersch├Âne kleine Pizzaria in einer Nebenstra├če. Eigentlich bestand der Laden nur aus einem gigantischen Holzofen und einer kleinen Theke. Ich war total ger├╝hrt von der Hingabe und Liebe mit der der Ladenbesitzer unsere Pizzen zubereitete und die Technik mit der er die Pizzen in zwei Meter tiefe hinten im Ofen drehte. Er schenkte uns zur Bestellung noch ein weiteres Bier und half mir meinen Gep├Ącktr├Ąger mit den Pizzen zu beladen.

Die Pizza schmeckte FANTASTISCH!

Die Begeisterung h├Ąlt sich in Grenzen

Am n├Ąchsten morgen ging es mit der Metro ab in die Innenstadt. Da ich in den letzten zehn Jahren h├Ąufig mit einer Pilgergruppe in Rom war und auch einmal mit meinem alten Lateinlehrer Siggi Hutzel auf Studienfahrt mit der Schule, wollte ich in etwa die Tour machen, auf die er uns damals umher gef├╝hrt hat.

Wir starteten in der kleinen Kirche San Carlo alle Quattro Fontane, eine winzige Kirche von Borromini, die aber mit einfachen Mitteln gebaut ist und Dank aller m├Âglichen Tricks deutlich gr├Â├čer wirkt. Wir lasen einiges ├╝ber den Wettstreit der Rivalen Borromini und Bernini, der besonders unterhaltsam am Piazza Navona zu bemerken ist: zumindest haben die Figuren auf dem Vierstr├Âmebrunnen von Bernini eine deutliche Meinung zu der Fasade der angrenzenden Kirche - nat├╝rlich von Borromini (siehe Foto).

Weiter ging es ├╝ber den Trevibrunnen - noch nie so leer erlebt - zum Pantheon. Als ich gerade wieder kl├Ąglich versuchte mit meinem Halbwissen mir etwas ├╝ber die Geschichte des Pantheons zusammen zu dichten, trafen wir meinen alten Lateinlehrer mitten im Pantheon. Was f├╝r ein Zufall! Ich wusste zwar zuf├Ąllig, dass er gerade in Italien im Urlaub war, aber dass er gerade heute in Rom und gerade jetzt im Pantheon war... Die Wiedersehensfreude war gro├č. Anschlie├čend wurde ich aber erst einmal zur Abfrage ans Grab von Raffael gezerrt. An der Inschrift scheiterte ich aber - trotz Lateinabi - kl├Ąglich. Siggi lud uns zu seiner Familie ins Urlaubsquartier nach Montefiascone ein. Wir freuten uns schon riesig!

Wir nutzten noch das weitestgehend touristenfreie Rom und tranken einen (sehr starken) Aperol Spritz auf der Engelsburg und spazierten in Richtung Vatikan, wo wir (ohne Schlange!!!) den Petersdom besichtigten. Wir waren nat├╝rlich erschlagen von der Gr├Â├če dieser Kirche - ein Pfeiler ist gr├Â├čer als die komplette Kirche San Carlo, aber auch etwas angeekelt wie pervers diese Kirche ist. Da sch├Ąme ich mich fast ein bisschen katholisch zu sein.

Wir lie├čen den Abend auf dem Campingplatz mit Lachsnudeln und Wein ausklingen und gingen fr├╝h schlafen.